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Vollständige Version anzeigen : Schalke entlässt Slomka


RLD
22.04.2008, 15:08
München - Das 1:5 gegen Bremen war das letzte Spiel für Mirko Slomka als Trainer des FC Schalke 04.

Der Revierklub trennte sich am Sonntag von seinem Coach. Dies gab der Verein am Sonntagmittag bekannt.
Manager Andreas Müller teilte Slomka die einstimmige Entscheidung des Vorstands mit. Auch Co-Trainer Nestor Jevtic wurde freigestellt.

Die beiden "Eurofighter" Mike Büskens und Youri Mulder, die 1997 beim Uefa-Cup-Sieg der Königsblauen als Spieler dabei waren, werden in den letzten sechs Saison-Spielen Slomka ersetzen.

Der Klub hob hervor, dass es sich dabei um eine Interimslösung handelt und S04 in der kommenden Spielzeit definitiv von einem Chefcoach trainiert wird.

Büskens coacht seit 2005 die Schalker Oberliga-Mannschaft. Der neunmalige niederländische Nationalspieler Mulder war zuletzt in seiner Heimat als Experte für den Fernsehsender "NOS" tätig.

Müller rechtfertigt schnellen Entschluss
"Zuletzt gab es auch bei mir eine Tendenz, die Zusammenarbeit mit Mirko nach dieser Saison zu beenden. Nach dem gestrigen Spiel bei Werder Bremen ist dann bei mir die Entscheidung gereift, diesen Schritt vorzuziehen", erklärte Manager Müller.

"Es ist eine Situation entstanden, die sich meiner festen Überzeugung nach in den nächsten Wochen sehr negativ auf die Mannschaft auswirken würde und somit das verbleibende Saisonziel Champions-League-Qualifikation gefährdet. Daher dieser schnelle Entschluss."

Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies unterstützte den Schritt: "Ich trage die Entscheidung der sportlichen Führung mit. Es war keine sportliche Fortentwicklung zu erkennen, deshalb haben wir die Reißleine gezogen. Die leidige Diskussion um Trainer Mirko Slomka hätte in den nächsten Spielen zu einer Belastung werden können."

Aus in der Königsklasse
Damit geht eine entscheidende Woche für Slomka bitter zu Ende.
Nach dem Aus in der Champions League gegen Barcelona und der herben Schlappe am Samstag gegen Werder zogen die Verantwortlichen bei Schalke nun einen Schlussstrich unter das Engagement des Trainers.
Slomka hatte seit Monaten wichtige Vereinsvertreter als Kritiker in seinem Nacken.
"Ich habe einfach keine Lust mehr, mich jede Woche aufs Neue zur Diskussion um meine Person zu äußern oder meine Arbeit zu verteidigen", hatte er am Samstag alle Fragen nach seiner persönlichen Zukunft bei den Königsblauen abgeblockt.
Seinen angeschlagenen seelischen Zustand konnte er dennoch nicht verbergen: "Ich kann mich nicht ständig damit beschäftigen, sonst würde ich kaputt gehen."

Offenbar schon von der Mannschaft verabschiedet
Slomka hat sich nach "kicker"-Informationen bereits am Sonntag von der Mannschaft verabschiedet.
Die Entlassung an sich kommt nicht überraschend, zuletzt hatte Slomka praktisch keine Rückendeckung mehr - trotz ansprechender Ergebnisse.

Überraschend ist allerdings der Zeitpunkt für diesen Schritt. Schon am Dienstag treten die Schalker gegen Cottbus an. Für den neuen Mann wird es also ein Ad-hoc-Einstieg.
Laut einer Umfrage von Sport1.de halten 79,5 Prozent der User die Entlassung für eine falsche Entscheidung (Stand: Sonntag, 16.55 Uhr, 14.782 Stimmen).

Gute Ergebnisse, schlechte Leistungen
Der 40-Jährige Slomka hatte das Amt des Cheftrainers bei den Knappen am 4. Januar 2006 übernommen und hatte Schalke in der vergangenen Saison zur Vize-Meisterschaft geführt. In der Champions League gelangte Schalke in dieser Saison erstmals in der Vereinsgeschichte ins Viertelfinale.
Stein des Anstoßes waren aber weniger die Ergebnisse als vielmehr die seit Wochen dürftigen spielerischen Darbietungen der Königsblauen.
"Mirko hat bei uns gute Arbeit geleistet, was durch die sportlichen Erfolge dokumentiert wird. Im Laufe dieser Saison haben wir jedoch den Eindruck gewonnen, dass sich die Mannschaft sportlich nicht entscheidend weiterentwickelt. Wir sind zu der Ansicht gekommen, dass dies mit einem neuen Trainer besser gelingen würde", so Müller.

Beckenbauer hat Verständnis
Franz Beckenbauer konnte die Entlassung nachvollziehen. "Der Klub musste reagieren, hat sich bessere Ergebnisse erwartet und viel Geld investiert, doch die Mannschaft trat auf der Stelle", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende des FC Bayern bei "Premiere".
Der Schritt habe ihn, so Beckenbauer weiter, nicht überrascht. "Man kann gegen Barca ausscheiden, aber darf nicht 1:5 in Bremen verlieren."

Dennoch kritisierte der "Kaiser" die Vereinsverantwortlichen. "Schalke ist kein einfacher Klub und jeder darf dort etwas sagen. Slomka stand ständig in der Kritik, obwohl er gute Arbeit geleistet und einer der erfolgreichsten Trainer war."

Zweite, dritte Platz in Reichweite
Slomka verbuchte mit dem den "Knappen" in 79 Spielen 146 Punkte und war damit drittbester Trainer im Oberhaus.
Beckenbauer: "Das 1:5 bei Werder hat der Klub zu Ernst genommen. Es tut mir leid für Slomka, denn der zweite, dritte Platz ist weiterhin realistisch."

Kritik von Hitzfeld
Auch Ottmar Hitzfeld übte Kritik an Müller und Co. "Ich bin sehr enttäuscht von der Schalker Vereinsführung, denn ich sehe keinen Grund für diesen Schritt. Das 1:5 ist verständlich, denn einige Spieler waren nach dem schweren Spiel in Barcelona etwas müde."
Der Bayern-Coach lobte seinen Kollegen: "Es stimmt mich traurig, dass ein Trainer wie Slomka, der großartige Leistungen gebracht hat und Schalke ins Viertelfinale der Champions League geführt hat, entlassen wird."

Vierter Rauswurf der Saison
Slomka ist der 320. Coach, der in der Bundesliga vorzeitig gehen musste.
In dieser Spielzeit hatten zuvor Petrik Sander (Energie Cottbus), Ernst Middendorp (Arminia Bielefeld) und Hans Meyer (1. FC Nürnberg) ihre Jobs verloren.
Michael Gerhäußer

Quelle: sport1.de